Immo Grief
für eine kollektive Kultur des Trauerns um ein Zuhause

Ausstellung ~ Trauermarsch ~ Publikation

Projektleitung: Lisa Bolyos, Tomash Schoiswohl

Teilnehmende Künstler:innen: Hamed Abboud, Bahar Aykan, Flo Karl Berger, Lisa Bolyos, Kirsten Borchert, Cäcilia Brown, Bisrat Kifle, Lisbeth Kovačič, Georg Lembergh, Joanna Pianka, Tomash Schoiswohl, Veronika Suschnig, Adriana Torres Topaga, Ruth Weismann

Zeit: 17. September bis 24. September 2022

Ort: Kulturzentrum 4lthangrund, Alte Mensa, Augasse 2-6, 1090 Wien

— > U-Bahn: U4/U6 Spittelau / Bus: 35A, 37A Spittelau / Straßenbahn: D Liechtenwerder Platz // mit Rollstuhl und Kinderwagen befahrbar

Sprache: Deutsch

–> ein Projekt im Rahmen der WIENWOCHE 2022


Im Rahmen des Projekts “Immo Grief. Für eine kollektive Kultur des Trauerns um ein Zuhause” erarbeiten wir ein Konzept der Trauer um verlorene Immobilien – zwangsgeräumte Wohnungen, abgerissene Stadtteile, überflutete Dörfer, zugebaute Brachen, zerstörte Protestbauten.

In der Krise wandert das Kapital am liebsten in Baustoffe. Dort ist es sicher gebunden, dort ist noch was zu holen: Straßen, Häuser, Dachgeschoßwohnungen – alles muss neu gebaut werden. Um zu bauen, wird erst einmal zerstört, was da ist. Und vertrieben, wer da wohnt und werkt.

Das Recht auf Wohnen ist nicht nur das Recht auf ein Dach über dem Kopf. Es ist das Recht, an einem sicheren Ort zu sein, sich zurückzuziehen, sich zu stärken für den nächsten Kampf, gemeinsam und angstfrei am Küchentisch zu sitzen. Wenn der eigene Wohn- oder Arbeitsort, der Ort, um Freund:innen zu treffen, in Gesellschaft zu sein, verloren geht, die bauliche und soziale Umgebung sich radikal verändert, kann tiefe Trauer entstehen. Wie können wir der Trauer um das abgerissene Haus, die geräumte Hütte, den vertriebenen Wohnwagen, die durch Zwangsdelogierung verlorene Wohnung Ausdruck verleihen? Wie verabschieden wir eine Siedlung? Wie und wo erinnern wir uns an ein Stadtviertel? Mit welchen Ritualen trauern wir um ein Bauwerk, das einem Neubau weichen musste?

Eine Stadt wird nicht nur entwickelt, sie wird auch zerstört. Räume verschwinden, vielleicht unwiederbringlich. Und mit ihnen verschwindet mehr als der bauhistorische Wert – es verschwinden Netzwerke, Lebensgeschichten, Möglichkeiten, wie es weitergegangen wäre, wenn. Eingetretene Pfade verschwinden, die nicht in der Planung, sondern in der alltäglichen Nutzung entstanden sind. Kleine Zwischenorte verschwinden. Es verschwindet aber auch ganz schlicht leistbarer Wohnraum.

Immo Grief ist eine Baustelle für Trauerrituale. Gemeinsam schauen schauen wir Filme an, stellen aus, lesen, essen, denken über Verlust nach, bauen an Requisiten für den Trauermarsch.

Wie kann ein Trauern stattfinden, dem nichts auf dem Fuß folgen muss, das aber trotzdem nicht der Befriedung dient?

Mit Immo Grief nähern wir uns der Idee einer kollektiven, entindividualisierten Trauer um verlorene Häuser, Orte, Stätten an. Wir denken, dass es notwendig ist, aus der Isolation des Trauerns herauszutreten. Wir müssen die Strukturen hinter den vielen einzelnen Trauerfällen (verkürzt gesagt, das Immobilienkapital und wie es den Umgang mit Raum verändert hat) sichtbar machen, um die Trauer einordnen zu können. Öffentlicher Immo Grief, öffentliche Trauerbekundung um “lost spaces”, entspricht der Anerkennung, dass ein Verlust stattfindet.

Immo Grief

Searching for a collective culture of grieving a home

exhibition ~ funeral march ~ publication

A project by Lisa Bolyos and Tomash Schoiswohl

Participating artists: Hamed Abboud, Bahar Aykan, Flo Karl Berger, Lisa Bolyos, Kirsten Borchert, Cäcilia Brown, Bisrat Kifle, Lisbeth Kovačič, Georg Lembergh, Joanna Pianka, Tomash Schoiswohl, Veronika Suschnig, Adriana Torres Topaga, Ruth Weismann

17th September – 24th September

Kulturzentrum 4lthangrund, Alte Mensa, Augasse 2-6, 1090 Wien

Metro: U4/U6 Spittelau // Bus: 35A, 37A Spittelau // Tram: D Liechtenwerder Platz

  • wheelchair and buggy accessible // • Language: German